Das Stemmeisen

Ich forderte das Stemmeisen auf, näher an mich heranzukommen, ich fürchtete mich nicht davor es zu berühren. War es nicht zu seltsam, sie zu berühren erschien mir so fremd, aber dieses Stemmeisen, dass mir doch viel fremder sein müsste, das nahm ich leicht in die Hand, berührte es und ließ es voller Schreck wieder fallen. Was hatte ich vor? Was wollte ich damit?

Nun, ich hob es auf, schaute mich um, dort wo ich war, war niemand sonst, nur ein Gewehrsmann, der nichts mehr sehen konnte.
Er war lahm, seine Augen wollten nicht mehr, seine Stirn war eingeschlafen, er summte ein beklommenes Lied, ich stellte mich vor ihn, fragte, was ist Bruder, werden wir ins Gefecht ziehen.

Er lächelte kühl, ganz unzweifelhaft hielt er mich für einen Gaukler und wie sollte er auch nicht, wie stand ich auch vor ihm, nur Gaukler könne so hineinschauen in die Welt, in die Abgründe dort.

Er fragte mich, wohin reitest du, er lächelte. Er schaute raus, ich sagte nichts, ich dachte nur, ich hätte diese Unterhaltung nicht beginnen dürfen.
Für meinen Geschmack sah er zu nobel in die Welt, das passte mir nicht, auch war sein Blick schmierig, die Art wie er mich ansah kannte ich nur zu gut.
Ulrike hatte mich immer so angesehen und dann war sie irgendwann tanzen gegangen, kam spät zu mir, legte sich nicht mehr neben mich, stand am Fenster und hauchte, das ist es, du entdeckst die Abgründe und du spürst sie tiefer als jede Narbe.

Ich erzählte ihm alles was ich nicht erzählen konnte, setzte mich zu ihm, er hatte gerade einen Fisch gegessen und ein Lächeln strahlte aus seinem Mund, es kam mir vor, als hätte er mit dem letzten Bissen auch das letzte Lächeln des Fisches verschluckt.
Ersagte, bei mir geht es ähnlich, wenn ich nicht wüsste dass meine Frau dort draußen auf mich wartet wüsste ich gar nicht wohin mit meinen Ideen.

Er sprach es ohne dass er den Mund auftat, er sagte es mir, als würde er es in die Luft drücken, als käme es von dort direkt in mein Ohr.
Ich sagte nichts, ich hatte keine Zeit mehr mit ihm zu reden, ich sagte nur, ich muss gehen.
Er aber schüttelte den Kopf und meinte lächeln, du musst mich schon totschlagen wenn du von hier verschwinden willst.

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Immer Du
Immer das Lied, des Alten, ich höre es gerne, ich wache...
Steinfänger - 18. Jul, 12:48
Schlaflos
Immer zu der selbe Traum, ich komme ohne Füsse nach...
Steinfänger - 10. Jul, 09:18
Von der Ahnung
Ich hatte mich selber satt, stundenlang wartete ich...
Steinfänger - 8. Jul, 18:57
Der Zahlmeister
Ich war schon immer der Stärkste in unserer Familie...
Steinfänger - 7. Jul, 04:04
Das Stemmeisen
Ich forderte das Stemmeisen auf, näher an mich heranzukommen,...
Steinfänger - 6. Jul, 08:37

Free Text (1)

Suche

 

Status

Online seit 5322 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 18. Jul, 12:49

Credits


Profil
Abmelden
Weblog abonnieren