Montag, 18. Juli 2011

Immer Du

Immer das Lied, des Alten, ich höre es gerne, ich wache über dass was er sagt, was er sagt, bedeutet mir nichts.

Er hat Angst, er sagt nicht wovor, ich kann ihn hören, nicht verstehen, er ist betrunken von der Trunkenheit anderer.
Er sagt, ich bin schon alt, ich muss nach Hause.

Ich frage ihn, was er zuhause tut. Er sagt, sterben, was denn wohl sonst?

Sonntag, 10. Juli 2011

Schlaflos

Immer zu der selbe Traum, ich komme ohne Füsse nach Hause, ich sitze herum, betrachte die Wände, betrachte die Frau die neben mir sitzt.
Beide reden wir uns ein im Gebirge geboren zu sein.
Wir fühlen uns wohl wenn wir Jacken tragen, wir tragen sie an manchen Tagen die ganze Zeit über.
An manchen Tagen sehen wir hungrig aus, wir belassen es dabei. Wir kratzen keine Spinnen von den Tellerrändern, wir haben, jeder für sich einen gemeinsamen Traum, den wir für uns behalten.

Freitag, 8. Juli 2011

Von der Ahnung

Ich hatte mich selber satt, stundenlang wartete ich vor einem Brunnen, ich wusste ja dass sie nicht kommen würde, denn wir hatten nichts vereinbart.
Trotzdem spürte ich jedes Mal ein Zucken und ein nervöser Aufschrei tat sich in meinem Inneren auf, wenn jemand um die Ecke kam, oder es aussah, als käme jemand auf mich zu.

Seltsam, jedes Mal wenn ich von meinem inneren rede, habe ich den Eindruck, ich spalte mich in zwei Hälften.
Ich versuche mich zu beobachten, wie ich in mein inneres hineindränge, wie ich gar nicht erst darüber nachdenke, dass es auch gefährlich sein kann, durch dieses Innere zu gehen.

Am Ende aber fange ich mich doch wieder auf, immer kurz bevor ich die Schreie spüre, die ich aus dem Inneren hören kann, stille Schmerzen die eine Wand hinauflaufen.
Schreie die ich gut erkennen könnte, wenn ich wollte.

Aber ich liebe es mit mir zu spielen, mir vorzumachen wie die Welt ist, die Welt hängt an Drähten, sage ich mir dann.
Ich falle über diese Worte nicht her, ich kreise sie nicht einmal ein, ich versuche nur, in diesem schlichten Ton, aus dem der Text hier gemacht ist, etwas zu erfahren, etwas das mir weiterhilft zu existieren.

Donnerstag, 7. Juli 2011

Der Zahlmeister

Ich war schon immer der Stärkste in unserer Familie von Schwachen, ich traute mich hinaus zu gehen, dort draußen würde man mich weit wegschcken, so weit bis ich aus ihrem Gedächtnis verschwunden war.
Ich hatte das dringende Bedürfnis zu beten, ich wusste aber nicht zu welchen Gott, ich wusste ja noch nicht einmal ob ich überhaupt zu Gott beten wollte. Es gab so viele und zu allen konnte man beten.
Zuest aber musste ich zu ihr, ich wollte sie fragen, ob der Russe sich gemeldet habe.
Sie würde mir ansehen, dass ich es mögen würde, wenn sie mich belog.
Mein Herz klopfte heftig, ich dachte daran zu gehen, doch der Wächter war noch immer da.
Du warst doch nur ein Traum, rief ich, aber nun bin ich erwacht, du musst verschwinden, du hast deine Arbeit getan.
Noch nicht, sagte er und sah dabei müde und traurig aus.

Mittwoch, 6. Juli 2011

Das Stemmeisen

Ich forderte das Stemmeisen auf, näher an mich heranzukommen, ich fürchtete mich nicht davor es zu berühren. War es nicht zu seltsam, sie zu berühren erschien mir so fremd, aber dieses Stemmeisen, dass mir doch viel fremder sein müsste, das nahm ich leicht in die Hand, berührte es und ließ es voller Schreck wieder fallen. Was hatte ich vor? Was wollte ich damit?

Nun, ich hob es auf, schaute mich um, dort wo ich war, war niemand sonst, nur ein Gewehrsmann, der nichts mehr sehen konnte.
Er war lahm, seine Augen wollten nicht mehr, seine Stirn war eingeschlafen, er summte ein beklommenes Lied, ich stellte mich vor ihn, fragte, was ist Bruder, werden wir ins Gefecht ziehen.

Er lächelte kühl, ganz unzweifelhaft hielt er mich für einen Gaukler und wie sollte er auch nicht, wie stand ich auch vor ihm, nur Gaukler könne so hineinschauen in die Welt, in die Abgründe dort.

Er fragte mich, wohin reitest du, er lächelte. Er schaute raus, ich sagte nichts, ich dachte nur, ich hätte diese Unterhaltung nicht beginnen dürfen.
Für meinen Geschmack sah er zu nobel in die Welt, das passte mir nicht, auch war sein Blick schmierig, die Art wie er mich ansah kannte ich nur zu gut.
Ulrike hatte mich immer so angesehen und dann war sie irgendwann tanzen gegangen, kam spät zu mir, legte sich nicht mehr neben mich, stand am Fenster und hauchte, das ist es, du entdeckst die Abgründe und du spürst sie tiefer als jede Narbe.

Ich erzählte ihm alles was ich nicht erzählen konnte, setzte mich zu ihm, er hatte gerade einen Fisch gegessen und ein Lächeln strahlte aus seinem Mund, es kam mir vor, als hätte er mit dem letzten Bissen auch das letzte Lächeln des Fisches verschluckt.
Ersagte, bei mir geht es ähnlich, wenn ich nicht wüsste dass meine Frau dort draußen auf mich wartet wüsste ich gar nicht wohin mit meinen Ideen.

Er sprach es ohne dass er den Mund auftat, er sagte es mir, als würde er es in die Luft drücken, als käme es von dort direkt in mein Ohr.
Ich sagte nichts, ich hatte keine Zeit mehr mit ihm zu reden, ich sagte nur, ich muss gehen.
Er aber schüttelte den Kopf und meinte lächeln, du musst mich schon totschlagen wenn du von hier verschwinden willst.

Dienstag, 5. Juli 2011

Literatur

Denk ich, schreiben, kann ich nichts tun, ich sitze da, verklärt und schreibe nichts, ich tue auch sonst nichts anderes.
Aber wenn ich denke, sündige, fallen mir die Worte wie
frische Socken ins Gesicht, sie beissen und zerreissen mein Herz.

Keine Ahnung

Die Arbeiten an diesem Blog werden den Rest meines Lebens in den Hintergrund stellen. Ich versuche intensiver zu arbeiten als je.
Diesmal sage ich mir, hast du eine Chance.
Aber schon sehe ich mich wieder zusammenzucken, schon verweile ich in dem Durst meines Zweifels, schon unterliege ich, erneut, so wie damals.
Es war in meiner Stammkneipe. Da sah ich sie hinter einem russischen Mann stehen, der Mann war sicher bewaffnet, er hatte Durst, er schob sie zur Seite, nicht brutal, aber energisch, das gefiel ihr und ich, ich war verloren.
Später saß ich wie sie am Brückenstein stand, traurige Augen, aber ein mutiger Mund, ich fragte sie, willst Du mit zu mir gehen.
Plötzlich, als wir schon etwas gingen, stand der russische Mann hinter uns, wieder schien er sehr durstig, wir fragten ihn, ob wir ihn helfen könnten.
Aus ihm tropfte die Trockenheit, er hatte Ähnlichkeit mit einem aufgeschreckten Teppich, als wir endlich bei mir waren, rief sie, wir müssen seinen Atem auswechseln.
Ich starrte für Minuten auf ihre Brüste, die sie unter ihrem T-Shirt versteckt hielt, ich dachte, sie wird bei mir bleiben, ich sagte es und wusste, sie wird gehen.
Wir kümmerten uns um den Russen, wir holten Medizin. Zuerst ich, aber es war die Falsche, dann ging sie, ich dachte, ich wäre verloren, käme sie nicht mehr wieder.Sie kam wieder, sie lachte vor Angst der Russe könnte bemerken dass sie an ihn dachte.
Sie entschuldigte sich bei ihm, sie sagte, es ist keine Apotheke mehr auf und ich habe kein Geld.
Sie sagte es in der Art wie man einen Brief schliesst, von dem man ahnt, dass er endgültig ankommen wird.

Der innere Kampf begann. Ich wusste dass ich es nicht schaffen würde und das machte das alles nicht einfacher.
Der Russe erholte sich wieder und wurde charmant, er lobte ihren Gesang, ihre Hüften, er fragte sie, wann sie sich wiedersehen könnten. Sie lachte, drehte sich dabei ein paar mal um und ich hatte das Gefühl, er hatte sich in ihr Lachen festgesetzt, er war bereits Teil dieses Lächelns.

Wenn ich die Zweifel befolge, wenn ich ihren Wege gehe, were ich niemals ankommen. So wird mich meine eigene Sprache fortwehen, wird mich Verlorener hinter einer Ecke verstaunen, vielleicht hat man hinter dieser Ecke die beste Sicht auf die Welt, vielleicht wird das mein Gefängnis sein.

Für einen Moment bekam das Leben einen Riss, ich kam mir vor, als wäre ich raus aus der Handlung.
Der Russe nahm ihre Hand und beide gingen sie in die Küche.
Ich saß auf einem der Stuhlkörbe und versuchte mich zu befriedigen, es gelang nicht.
Ich stellte mir eine Vierhundertmeter Staffel der Frauen vor, ich stellte mir vor, wie sie versuchten mein Glied in die Hand der anderen zu legen, es funktionierte nicht. Die Staffeldamen verloren den Mut und kamen nicht an.

Wahrnehmung kann ein Trost sein. Du findest irgendeinen Punkt in dieser Maskerade und empfindest es. Du besteigst die Treppenstufen der Wirklichkeit, ich muss lachen, ganz siche, muss ich lachen, denn ich stelle mir diese Treppe wie einen Umhang vor, den man um sich schmiegt, damit die Minuten in denen man leidet, wenigstens nicht sichtbar werden.

Manchmal begannen die Träume schon vor dem einschlafen im Zimmer zu stehen, sie beachteten mich gar nicht, sie schienen sich auf ihre Aufgabe vorzubereiten.

Im Stillen war ich dem Russen dankbar, immer wenn ich den Kontakt einer Frau suche verpasse ich diesen Eindruck den man machen muss, ich versuche Scherze zu machen, sage Dinge ungeordnet, begreife selber nicht was ich ihr sage und schweige schließlich, bis sie sich in die Haare fasst und geht.

Ich hatte während ich schrie nie den Gedanken daran, das alles was ich aufschrieb erst geschehen würde.
Ich hatte diesen Blog eröffnet, in dem Gedanken, mit ihm mehr über mein Schreiben zu erfahren, aber genau das fand ich nicht, dafür fand ich diese Geschichte.

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Immer Du
Immer das Lied, des Alten, ich höre es gerne, ich wache...
Steinfänger - 18. Jul, 12:48
Schlaflos
Immer zu der selbe Traum, ich komme ohne Füsse nach...
Steinfänger - 10. Jul, 09:18
Von der Ahnung
Ich hatte mich selber satt, stundenlang wartete ich...
Steinfänger - 8. Jul, 18:57
Der Zahlmeister
Ich war schon immer der Stärkste in unserer Familie...
Steinfänger - 7. Jul, 04:04
Das Stemmeisen
Ich forderte das Stemmeisen auf, näher an mich heranzukommen,...
Steinfänger - 6. Jul, 08:37

Free Text (1)

Suche

 

Status

Online seit 5432 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 18. Jul, 12:49

Credits


Profil
Abmelden
Weblog abonnieren